weltverbesserer Wissen Faktencheck: 7 miese Coronavirus-Fake-News

Faktencheck: 7 miese Coronavirus-Fake-News

Foto: alekseyvanin / stock.adobe.com

Ob Kettenbriefe per Mail, News auf den Social-Media-Kanälen oder Videos im Internet – nicht nur zu Zeiten des Coronavirus tauchen beinahe täglich neue Fake News im Netz auf.

Ja, in einer offenen Gesellschaft gilt das Recht auf freie Meinungsäußerung. Doch die teilweise absurden Behauptungen und das Ausspielen auf den Kanälen diverser Medien werfen auch die Frage auf, wie unser Umgang mit den Medien aussieht und wie die Medien mit solchen Fake News umgehen.

Ratschläge wie, durch das Konsumieren von bestimmten Flüssigkeiten das Coronavirus abzutöten, oder durch Klicken auf einen Link Geld zu spenden sind ebenso wie der Hinweise, das Supermärkte nur noch an bestimmten Wochentagen geöffnet seien, nur einige Beispiele für aktuelle Meldungen, deren Inhalt den Leser in die Irre führen soll.

Wir haben für euch Weltverbesserer da draußen ein paar der miesesten Fake-News gesammelt, unter die Lupe genommen und durch nackte Fakten widerlegt.

Foto: Pina Messina / unsplash.com

1. Fake News: Ibuprofen könnte Infektion mit dem Coronavirus verschlimmern

Via Social Media warnt eine Frau namens Elisabeth in einer Sprachnachricht eine andere Mutter aus der Kita ihres Sohnes vor Ibuprofen. In der als Sprachnachricht versendeten Behauptung erklärte sie, dass eine Freundin Ärztin an der Uniklinik in Wien sei und sich herausgestellt habe, dass viele der in Italien verstorbenen Coronavirus–Opfer Ibuprofen eingenommen hätten. Die Nachricht stellte die Behauptung auf, die Einnahme von Ibuprofen würde die Vermehrung des Corona-Virus noch beschleunigen.

Das ist falsch, wie br.de recherchierte. Neben der Behauptung die sich auf WhatsApp verbreitete, warnte auch die WHO zuerst vor der Einnahme von Ibuprofen. Diese Warnung zog die WHO nach einer genaueren Prüfung von Studien und der Recherche bei Mediziner am 19.03.2020 dann aber zurück.

Der Umstand, dass es noch nicht viele Erkenntnisse über die Zusammenhänge bezüglich der Einnahme von Medikamenten und dem Coronavirus gibt, hatte hier sicher einen Anteil. Dennoch sollte jeder, der sich mit dem Coronavirus infiziert hat mit seinem Arzt vor der eigenmächtigen Einnahme von Medikamenten Rücksprache halten.

2. Fake News: Klicks auf ein Video von Sänger Roby Facchinetti spenden für ein Krankenhaus in Bergamo

Haben einige von Euch diesen Kettenbrief auch bekommen? Die Nachricht auf WhatsApp beinhaltet einen Link, der wiederum zu dem Musikvideo von Roby Faccinnetti auf YouTube führt. Weiter wird behauptet, dass jeder Klick auf das sehr alte Lied automatisch zu einer Geldspende an ein Krankenhaus in Bergamo, Italien führt. Der Sänger des Liedes habe die Rechte an seinem Song dem Krankenhaus übertragen. Das ist falsch wie correctiv.org am 01. April zeigte.

Niemand, der das Video anschaut, spendet automatisch für das Krankenhaus in Bergamo. Und auf seiner Webseite erklärt der Sänger Roby Facchinetti selbst, dass die über WhatsApp verbreitete Behauptung falsch sind. Man könne aber mit dem Download des Liedes, über den zur Verfügung gestellten Link, helfen.

Fakt ist, dass die Einnahmen aus Download, Urheberrechten und Rechten der Redaktion an das Krankenhaus gespendet werden sollen. Zusätzlich gibt der Sänger auf seiner Webseite die Bankverbindung des Papa Giovanni XXIII Krankenhauses in Bergamo an.

Foto: Dylan de Jonge/ unsplash.com

3. Fake News: 100 Gramm Alkohol am Tag helfen gegen die Ansteckung mit dem Coronavirus

Über WhatsApp verbreitet sich die Behauptung, dass der Konsum von 100 Gramm Alkohol am Tag dabei helfe, die möglicherweise in Mund- und Rachenraum vorhandenen Coronaviren abzutöten. Das Logo des Robert-Koch-Instituts verleiht der Nachricht zwar ein offizielles Aussehen, doch es handelt sich bei ihr um Fake News – es stimmt nicht, wie der Faktenfuchs des br.de zeigt.

Fakt ist, dass der Konsum von Alkohol eine Ansteckung mit dem Coronavirus nicht verhindern kann. Im Gegenteil wird die menschliche Immunabwehr durch das Trinken von Alkohol eher noch anfälliger für Erkrankungen. Und 100 Gramm Alkohol zu trinken ist schon für sich gefährlich (abhängig von der Konzentration des Alkohols).

4. Fake News: Ein Video zeigt, wie ein Discounter von einer Menschenmasse gestürmt wird

Am 29. Februar 2020 wurde auf der Plattform TikTok ein Video hochgeladen, das zeigt, wie eine Menschenmasse die Filiale eines großen Discounters stürmt. Angeblich aus Angst vor einer Coronavirus-Pandemie sollen die Kunden die Filiale für Hamsterkäufe gestürmt haben.

Fakt ist: Die Recherche von correctiv.org zeigt, dass der Bericht falsch ist. Das Video ist mehrere Jahre alt und zeigt eine wartende Kundenschar vor der Filiale eines Discount-Riesen in Kiel. Dort wurde ein Sonderverkauf von Laptops veranstaltet.

Foto: ekamelev / unsplash.com

5. Fake News: Coronavirus kann durch einen Moskitostich übertragen werden

Angeblich sollen die Stiche von Moskitos das Coronavirus übertragen. Das ist nicht bestätigt. Wie die WHO berichtet, gibt es aktuell keine Hinweise oder Informationen darüber, dass das Coronavirus durch Stiche von Moskitos übertragen werden könnte.

Bekannt ist lediglich, dass sich die Atemwegserkrankung hauptsächlich über die Tröpfchen überträgt, die eine infizierte Person durch Husten oder Niesen abgibt. Auch die Übertragung mittels Speicheltropfen und Nasensekret ist möglich.

Fakt ist: um euch zu schützen, solltet ihr Abstand zu infizierten Personen halten und euch die Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen.

6. Fake News: Corona-Sonderregelung für Muslime an Ramadan

Im Internet kursiert die Behauptung, in Zeiten des Coronavirus gäbe es durch Ausgangsbeschränkungen, Quarantäne-Regeln und Versammlungsverboten von mehr als zwei Personen dennoch eine Sonderregelung für Muslime an Ramadan. Dubios ist dabei nicht nur, dass von der Behauptung nur eine bestimmte Personengruppe betroffen ist, sondern auch, dass die Informationen aus einer „nicht genannten Quelle“ aus dem „Krisenzentrum für Berlin und Brandenburg“ stammen soll.

Nach Recherchen von ZDFheute vertreten die User der Accounts, die diese Behauptung teilen „häufig migrations- und islamfeindliche Meinungen“. Laut ZDFheute sind zudem einige der Posts von Facebook schon mit dem Hinweis „False Information“ versehen worden.

Fakt ist, dass laut der Presseerklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel die Maßnahmen dazu wie folgt lauten: „Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen, Synagogen und die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften“ untersagt sind. Eine Sonderbehandlung für Muslime ist nicht vorgesehen.

Wie die Tagesschau berichtet, gibt es stattdessen Überlegungen, den Fastenmonat Ramadan im Kampf gegen das Coronavirus in diesem Jahr möglicherweise ganz auszusetzen.

7. Fake News: Bild mit Särgen zeigt aktuelle Situation in Italien

Nicht nur falsch, sondern in der aktuellen Situation sehr makaber ist die Meldung, ein Foto von Särgen gebe die Situation in Italien durch das Coronavirus wieder. Ein auf Facebook geteiltes Foto mit mehreren nebeneinander aufgereihten Särgen soll angeblich die Situation in Italien widerspiegeln.

Fakt ist, das Foto stammt aus dem Jahr 2013, wie das Recherchezentrum correctiv.org bereits am 20. März herausfand. Es zeigt die Särge der bei einem Schiffsunglück vor der Insel Lampedusa tödlich verunglückten Opfer.

Wie umgehen mit Fake News?

Bei all den Behauptungen scheint es doch am sinnvollsten, sich auf seinen gesunden Menschenverstand zu besinnen und solche Nachrichten generell zu hinterfragen.

Oft hilft es schon, Informationen über die Nachrichtenquelle einzuholen. Dabei kann schon der Blick in das Impressum oder die stichwortartige Eingabe zu der Nachricht in einer der geläufigen Suchmaschinen für Aufklärung sorgen.

Tipps, um Fake-News leichter zu erkennen:

  • Schaut euch auf den Webseiten der offiziellen Stellen um, wie zum Beispiel hier: Robert Koch Institut.
  • Das Bundesgesundheitsministerium berichtet auf der Homepage ausführlich zum aktuellen Stand.
  • Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet eine gute Anlaufstelle für einen erneuten Faktencheck.
  • Schaut bei correctiv.org vorbei, dass unabhängige Recherchezentrum entlarvt viele der verbreiteten Behauptungen. Hier könnt ihr eure Neuentdeckungen für einen Faktencheck auch einreichen.
  • Gebt die Fake-News stichwortartig in den Suchmaschinen ein – oft zeigen die Ergebnisse direkt was es damit auf sich hat.    
  • Der Faktencheck der ARD gibt einen guten Überblick über viele Fake-News rund um das Coronavirus.

Bleibt gesund und wachsam, eure Weltverbesserer

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