weltverbesserer Machen Felix Finkbeiner will 1.000.000.000.000 Bäume pflanzen. Ein Gespräch.

Felix Finkbeiner will 1.000.000.000.000 Bäume pflanzen. Ein Gespräch.

Bäume sind lebenswichtig für unser Klima. Sie kühlen die Erde ab, indem sie CO2 binden, und sorgen für frische Luft. Wir haben mit Felix Finkbeiner gesprochen, der 1.000 Milliarden Bäume pflanzen will. Über 10 Milliarden hat er schon, das Bundesverdienstkreuz noch dazu.

Ein einziger Baum kann im Jahr viele Kilo CO2 und andere Schadstoffe aus der Luft und dem Boden aufnehmen. Und im gleichen Zeitraum über 100 kg Sauerstoff produzieren. Eine Wunderwaffe gegen den Klimawandel, die uns die Natur (fast) kostenlos zur Verfügung stellt.

Keiner hat das besser verstanden als Felix Finkbeiner. Mit seiner Organisation Plant-for-the-Planet pflanzt der 22-Jährige weltweit Bäume. Einen großen Schub bekam seine Stiftung, nachdem ihr 2011 das Baumpflanz-Programm der Vereinten Nationen übertragen wurde. So zählt die Statistik von Plant-for-the-Planet inzwischen 13,6 Milliarden gepflanzte Bäume. Das sind über 1,5 Bäume pro ErdenbewohnerIn – also auch für dich.

Dabei liegt das beeindruckende Ziel, das sich Felix und seine Mitstreiter*innen gesteckt haben, noch ganz in der Ferne: Sie wollen 1 Billion (d.h. 1.000 Milliarden oder 1.000.000.000.000) neue Bäume setzen. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass zur Zeit geschätzte drei Billionen Bäume auf dem Planeten leben, hätte Plant-for-the-Planet jeden 4. Baum (!) auf der Welt gepflanzt, wenn Felix‘ Organisation ihr Ziel erreicht. Was hoffentlich passieren wird.

Das Potenzial der Bäume entdeckte Felix Finkbeiner bereits als Neunjähriger, nachdem er ein Referat zur drohenden Klimaerwärmung gehalten hatte. Das Thema beeindruckte ihn so sehr, dass er seine eigene Schülerinitiative gründete: Plant-for-the-Planet. Was vor 13 Jahren klein anfing, kennen heute Kinder und Jugendliche – und natürlich deren Eltern – rund um den Globus.

Wir haben Felix zum Interview eingeladen, um zu erfahren, was ihn antreibt, und was er sich für die Zukunft wünscht.

Felix Finkbeiner im Interview

weltverbesserer.de: Felix, du hast schon mit neun Jahren begonnen, für das Klima zu kämpfen. Was hat dich motiviert, so lange dranzubleiben?

Felix Finkbeiner: Alles fing damit an, dass ich den Eisbären retten wollte. Der Eisbär war früher mein Lieblingstier, und ich hielt ein Referat mit dem Titel „Das Ende des Eisbären“. Das Thema beeindruckte mich nachhaltig und ich kam zu dem Entschluss, dass wir etwas tun müssen, um den Eisbären zu retten. Also pflanzten ein paar Mitschüler und ich den ersten Baum, und so entstand dann auch Plant-for-the-Planet. Wir alle haben dann sehr schnell verstanden, dass es nicht nur darum geht, den Eisbären zu retten. Sondern auch um uns Menschen selbst und darum, wie wichtig und einflussreich Bäume und Wald in Bezug auf die Klimakrise sind. Denn die Bäume sind gewissermaßen die einzig verfügbaren „Maschinen“, die das von uns ausgestoßene CO2 aufnehmen können. 

Das alles hat über die Jahre unglaublich viel Spaß gemacht. Besonders, weil wir viele sehr coole Leute bei Plant-for-the-Planet an Bord haben und noch viel mehr fantastische Jugendliche überall auf der Welt verteilt sind, mit denen die Zusammenarbeit prima funktioniert. 

Weltverbesserer.de: Wie hast du es geschafft, eine Organisation zu gründen, die weltweit etabliert ist und Beachtung findet?

Felix Finkbeiner: Wir hatten auf unserem gesamten Weg natürlich unglaublich viel Unterstützung: Zu Beginn war meine Lehrerin natürlich ganz wichtig. Meine Eltern haben unglaublich viel mitgeholfen, und viele Eltern von anderen Plant-for-the-Planet-Botschaftern haben es ebenfalls möglich gemacht, dass wir uns professionalisieren konnten. So ist aus einem Schulprojekt eine funktionierende Organisation gewachsen. 

Ein wunderbares Beispiel dafür ist vielleicht Michael Durrah: Wir haben 2012 Die Gute Schokolade auf den Markt gebracht. Wir hatten viele ganz tolle Händler, die bereit waren, als Partner auf ihren Profit zu verzichten, um uns mit dem Verkauf der Schokolade zu unterstützten. Und den Produzenten, der die Schokolade herstellt. Aber unser größtes Problem war: Wie bekommen wir die Schokolade vom Produzenten zu den Händlern?

Dann haben wir erfahren, dass der Vater von zwei unserer Botschafter das riesige Senfunternehmen Develey besitzt. Und die beiden konnten ihren Vater davon überzeugen, mit seinen Senflastern die Schokolade auszuliefern. Das tut er nun seit 2012 – für so gut wie umsonst. Nur deshalb können wir Die Gute Schokolade verkaufen. Wir erhielten über die Jahre also ganz viel fantastische Unterstützung.

Produktbild: Plant-for-the-Planet.
Auch Die Gute Schokolade kommt von Plant-for-the-Planet. 2018 wurde sie von Stiftung Warentest ausgezeichnet.

Weltverbesserer.de: Gibt es bereits Auswertungen, was die bisher gepflanzten Bäume schon jetzt für unser Klima tun?

Felix Finkbeiner: Grundsätzlich kann man sagen, dass ein gepflanzter Baum durchschnittlich 10 kg CO2 im Jahr aufnimmt. In den Tropen liegt dieser Wert sogar noch höher – bei bis zu 20 kg. Mithilfe von Spendengeldern haben wir in den vergangenen Jahren insgesamt über acht Millionen Bäume gepflanzt – hauptsächlich in den Tropen. Und natürlich haben unsere Mitglieder, die Kinder und Jugendlichen von Plant-for-the-Planet, noch viele weitere Bäume überall auf der Welt gepflanzt.

Bäumepflanzen gegen die Klimakrise

Mit welchen Aktionen pflanzt Plant-for-the-Planet gegen die Klimakrise an?

Wir haben ein weltweites Netzwerk aus Botschaftern, also Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 20 Jahren, die aktiv sind. Diese veranstalten verschiedene Aktionen: Beispielsweise pflanzen sie mit ihren Freunden Bäume in ihrer Stadt. Sie halten außerdem unglaublich viele Vorträge in Schulen und anderen Vereinigungen. Und in Unternehmen, um auch dort die Idee von Plant-for-the-Planet weiter zu verbreiten.

Darüber hinaus gehen sie auf ihre Bürgermeister, lokale Politiker und auf nationale Politiker zu, um sie von der Bedeutung der Bäume für das Klima und unseren Überzeugungen zu begeistern. Hinzu kommen noch eine ganze Menge anderer kreativer Aktionen: Beispielsweise stecken wir nach Weihnachten den Weihnachtstannen, die auf der Straße liegen, kleine Sprechblasen an: „Hätte ich Arme, würde ich Bäume pflanzen“, „Retten Sie wenigstens meinen Stammbaum“ oder „Suche Partner zwecks Fortpflanzung“ heißt es da.

Plant-for-the-Planet will jeden 4. Baum auf dem Planeten pflanzen. Hilfst du mit?

Weltverbesserer.de: Was genau ist das Ziel von Plant-for-the-Planet? Warum macht Ihr das alles?

Felix Finkbeiner: Wir wollen zur Bewältigung der Klimakrise beitragen. Und eine der besten Lösungen der Klimakrise ist das Bäume pflanzen. Klar: Das Pflanzen von Bäumen alleine kann das Problem nicht lösen, aber es ist ein ganz wichtiger Beitrag. Wenn wir weltweit bis zu 1.000 Milliarden zusätzliche Bäume pflanzen könnten, ließe sich der Baumbestand um bis zu ein Drittel erhöhen. Diese Bäume könnten zwischen einem Drittel und einem Viertel der weltweiten und vom Menschen gemachten CO2-Emissionen aufnehmen.

Wenn wir das schaffen, wäre das ein ganz wichtiger Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise. Denn ohne diese Bäume ist es wahrscheinlich unmöglich, die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad bis zum Jahr 2100 zu begrenzen.

Deswegen versuchen wir von Plant-for-the-Planet, die Welt davon zu überzeugen, diese 1.000 Milliarden Bäume zu pflanzen. Das machen wir einerseits, indem wir zu mehr Engagement auffordern und das Bewusstsein der Menschen für das Klimaproblem schärfen. Doch wir wollen natürlich nicht nur fordern, sondern auch ganz konkret selber etwas tun. Und deswegen pflanzen wir so viele Bäume wie möglich.

Alle 15 Sekunden ein Baum

In welchen Ländern werden die Bäume gepflanzt, für die ihr Spenden sammelt?

Unser derzeit mit Abstand größtes Aufforstungsprojekt befindet sich auf der Yucatán-Halbinsel in Mexiko, ganz im Süden des Landes. Dort wurde in den letzten Jahrzehnten ziemlich viel Regenwald zerstört. Wir sind gerade dabei, diesen wiederaufzuforsten: Auf 22 zerstörten Hektar Regenwald – einer Fläche so groß wie 50.000 Fußballfelder – pflanzen 100 unserer Mitarbeiter im Durchschnitt alle 15 Sekunden einen Baum. So werden wir innerhalb eines Jahres mehr als 2 Millionen Bäume pflanzen.

2018 bekam Felix von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Bundesverdienstkreuz verliehen. Bild: Victoria.Kolbert / CC BY-SA 4.0

Weltverbesserer.de: Ihr richtet Euch mit euren Aktionen und der Kommunikation gezielt an Kinder und Jugendliche. Was unterscheidet deiner Meinung nach junge Klimaschützer von der älteren Generation?

Felix Finkbeiner: Es ist nicht so, dass wir gedacht haben, dass Kinder und Jugendliche die Besten dafür wären, um das Problem zu lösen, sondern wir waren vor 12 Jahren einfach selbst Neun- und Zehnjährige, als es mit Plant-for-the-Planet losging.

Da war für uns klar, dass wir eben mit Gleichaltrigen aktiv werden. Das heißt natürlich nicht, dass die vielen Bäume ausschließlich von Kindern gepflanzt werden sollten. Ganz im Gegenteil: Wir brauchen alle Hilfe, die wir kriegen können, um so viele Bäume zu pflanzen.

Jeder kann Klima-Botschafter werden

Plant-for-the-Planet bildet weltweit „Botschafter für Klimagerechtigkeit“ aus. Was tut so ein Botschafter genau?

Ein „Botschafter für Klimagerechtigkeit“ setzt sich dafür ein, die Klimakrise anzupacken und natürlich ganz besonders dafür, Bäume zu pflanzen. Jeder Botschafter macht sich selbst Gedanken darüber, was er konkret tun will, um seinen Teil beizutragen. Somit setzt sich jeder Botschafter eigene, ganz unterschiedliche Ziele.

Meistens sind das natürlich „Baum“-Ziele: Also, wie viele Bäume sie oder er selbst pflanzen will. Dazu gehört auch die Organisation von Baumpflanz-Aktionen und die Verbreitung unserer Botschaft. Sie oder er tut also genau das, was wir bei Plant-for-the-Planet schon seit Jahren tun. Nur eben im Kleinen.

Angenommen, meine kleine Schwester möchte auch Botschafterin für Klimagerechtigkeit werden. Was muss sie dafür tun?

Sie meldet sich am besten auf unserer Website für eine unserer Akademien an. Mittlerweile geht das weltweit. Besonders in Deutschland finden eigentlich immer Akademien statt. Die Termine und jeweiligen Orte können auf unserer Website eingesehen werden.

Und dann geht es auch schon los! Kinder und Jugendliche geben hier ihr Wissen weiter und bilden so die nächsten Botschafter für Klimagerechtigkeit aus. Die Teilnahme ist natürlich kostenlos.

Buchen gelten in unseren Graden als besonders effektive CO2-Speicher. Aber auch Birken wirken!

Was macht für dich einen echten Weltverbesserer aus?

Das ist eine schwierige Frage. Grundsätzlich gehört vor allem viel Enthusiasmus dazu und die Bereitschaft, etwas anzupacken. Wir sehen uns auf der Welt so vielen unterschiedlichen Herausforderungen ausgesetzt, dass es ganz unterschiedliche Weltverbesserer geben kann, die sich wiederum unterschiedlichste Ziele setzen.

Für mich persönlich ist die Klimakrise die größte Herausforderung unserer Zeit. Und deswegen werde ich mich in all meinen Projekten immer darauf konzentrieren, gegen die Klimakrise anzukämpfen.

In den Tropen wachsen Bäume schneller

Du hast vorhin schon das Potenzial der Tropenwälder erwähnt und auch auf dem Science-Slam hast du erzählt, dass Afrika und Mexiko sich besonders als Anbaugebiete eignen. Was zeichnet diese Gebiete aus?

Zwei Dinge. Erst mal wurde über die letzten Jahre in vielen tropischen Gebieten sowie in vielen Gegenden des globalen Südens extrem viel Wald zerstört. Natürlich wurde in Deutschland ebenfalls sehr viel abgeholzt. Dort wurde aber auch in den letzten hundert Jahren deutlich mehr aufgeforstet, weshalb das Waldpotenzial in Deutschland ziemlich weit ausgeschöpft ist. Ganz einfach, weil die meisten Flächen, die wir für nichts anderes brauchen, mittlerweile wieder bewaldet sind. In vielen Teilen des globalen Südens ist dieser Wald jedoch bisher nicht wieder entstanden. Hier wurde nicht aufgeforstet.

Der zweite Punkt ist, dass Bäume in den Tropen viel schneller wachsen als in kälteren Gebieten der Welt und damit auch viel mehr CO2 aufnehmen. Ein Baum in Mexiko hilft uns und dem Klima deswegen viel mehr als beispielsweise ein Baum in Deutschland. Außerdem ist dieser natürlich deutlich günstiger zu pflanzen als ein deutscher Baum. Deshalb kann man mit dem gleichen Geld in Mexiko ungefähr 20 Mal so viel erreichen wie in Deutschland. Auch aus diesem Grund macht es besonders viel Sinn, bevorzugt in tropischen Gebieten aufzuforsten.

Ende 2019 hielt Felix Finkbeiner die Keynote-Rede bei Stadt.Plant.Grün, dem Bundeskongress deutscher Baumschulen.

Unsere letzte Frage an Felix Finkbeiner: Du hast drei Wünsche frei. Welche wären das?

1. Mein erster Wunsch ist, dass wir weltweit unseren CO2-Ausstoß reduzieren. Das bedeutet auch, weniger Fleisch zu essen, weniger Öl, Kohle und Gas zu verbrennen, sodass wir unsere Gesellschaft langfristig zu einer niedrigeren CO2-Nutzung umgestalten.

2. Mein zweiter Wunsch ist natürlich, weltweit tausend Milliarden Bäume zu pflanzen!

3. Als Drittes wünsche ich mir, dass wir die globale Ungerechtigkeit besser in den Griff bekommen.

Lieber Felix, vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!

So wirst du selbst aktiv!

Was kannst du tun? Wenn du Felix Finkbeiner und Plant-for-the-Planet dabei unterstützen willst, 1.000.000.000.000 Bäume zu pflanzen, dann geht das am einfachsten durch eine Spende. Du kannst auch Mitglied werden und regelmäßig einen (kleinen) Beitrag an die Organisation überweisen.

Und natürlich kannst du auch einfach selbst eine Baumpflanz-Aktion in deiner Nähe organisieren. Infos zu diesen (und vielen weiteren) Möglichkeiten gibt es auf der Website von Plant-for-the-Planet.

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