weltverbesserer Denken Klimawandel-Fakten: 7 Klimaleugner-Argumente im Faktencheck

Klimawandel-Fakten: 7 Klimaleugner-Argumente im Faktencheck

Selbst ernannte „Klimaleugner“ und „Klimaskeptiker“ sind überzeugt, dass der Klimawandel eine Lüge sei und dass das Klima sich gar nicht verändern würde. Was sagen die Klimawandel-Fakten dazu?

Wir Menschen nehmen kaum Einfluss auf das Klima. Überhaupt ist doch die Sonne an allem Schuld und alle Klimaforscher sind Panikmacher.“ 

Schonmal gehört? Mit solchen und ähnlichen Argumenten versuchen Klimaleugner die Fakten zum Klimawandel herunterzuspielen – oder gleich glatt zu ignorieren.

Wir haben uns sieben hartnäckige Behauptungen vorgeknöpft und zeigen euch, wie ihr sie an Hand von Klimafakten entkräftet.

Klimawandel-Fakten #1: Ist wirklich nur die Sonne schuld?

Die Klimalüge: Einige Klimaleugner sind tatsächlich davon überzeugt, dass in Wirklichkeit die sogenannte Sonnenaktivität den Klimawandel verursachen würden. Die Sonne sei schuld am Klimawandel, so die vereinfachte Version.

Die Klimawandel-Fakten: Ohne Sonne wäre die Erde schwer bewohnbar, das ist richtig, Sie hat auch einen starken Einfluss auf unser Klima. Aber: Satellitenmessungen zeigen, dass die Sonnenaktivität schon seit längerem eher abnimmt. Wäre die Sonne an der aktuellen Klimaerwärmung Schuld, müsste es derzeit global kälter werden. Wird es aber nicht. Statt dessen wird es auf der Erde heißer.

Die Zahlen besagen, dass Sonnenaktivität und globale Mitteltemperatur sich in den letzten Jahrzehnten in entgegengesetzte Richtungen entwickelt haben (Klimafakten). Es sind also vor allem unsere Treibhausgase, die die Erderwärmung anheizen, und mit deren Emissionen steigen die Temperaturen.

Nein, die Sonnenaktivität ist nicht der Treiber des Klimawandels.

Klimawandel-Fakten #2: Ist der menschliche Einfluss wirklich klein?

Die Klimalüge: KlimaleugnerInnen argumentieren gerne, der durch die Menschheit verursachte Klimagas-Ausstoss sei, gemessen am gesamten Kohlendioxid der Erde, viel zu gering und deshalb gar nicht in der Lage, das Klima nennenswert zu beeinflussen.

Die Klimawandel-Fakten: Diese Rechnung vermengt wie so oft Dinge, die nicht zusammengehören. Das viele Kohlendioxid (CO2) der Erde ist natürliches, von zum Beispiel den Ozeanen und der Vegetation freigesetztes Kohlendioxid. Es befindet sich in einem Gleichgewicht, weil die Meere und Grünflächen, die es hervorbringen, es gleichzeitig auf natürliche Weise absorbieren.

Doch der Mensch bringt das natürliche Gleichgewicht aus dem Lot, indem er erhebliche CO2-Mengen in die Atmosphäre bläst. CO2 wird vor allem bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern wie Erdöl, Braunkohle, Steinkohle und Gas freigesetzt. Diese Rohstoffe haben im Zuge ihrer Entstehungen über Millionen von Jahren hinweg CO2 gespeichert. Die gleiche Menge von CO2 haben wir in wenigen Hundert Jahren auf einen Schlag freigesetzt – und tun es noch immer (fast die Hälfte ist schon weg). Es wäre umgekehrt eher verwunderlich, wenn das unser Klima nicht drastisch aufheizen würde …

Um ein Bild zu verwenden: Eine absolut randvolle Badewanne läuft über, wenn man ein Glas Wasser hineinkippt, auch wenn im Glas weitaus weniger Wasser enthalten ist als in der Wanne.

Klimawandel-Fakten #3: Änderte sich das Klima wirklich schon immer?

Die Klimalüge: Schon bevor wir Menschen auf den Plan traten, gab es Klimaschwankungen. Eiszeiten kühlten den Planeten ab, dann schmolz das Eis und es wurde wieder wärmer. Ganz ohne unser Zutun. Die Klimakrise ist nach Ansicht von Klimaleugnern daher ein ganz normales Naturphänomen …

Die Klimawandel-Fakten: Ja, klar, und im Sommer ist ein Raum natürlicherweise wärmer als im Winter, auch ganz ohne Zutun. Es wird dennoch heißer in diesem Raum, sobald man darin die Heizung aufdreht … anders gesagt: Die Existenz eines natürlichen Klimawandels ändert rein gar nichts am Ausmaß des zusätzlichen, menschengemachten Klimawandels.

Doch auch die Forscher wollten es genauer wissen – und stellten zwei Dinge fest: 1. Der Unterschied zu den vorindustriellen, natürlichen Klimaschwankungen ist, dass die aktuelle, vom Menschen verursachte Klimaerwärmung auf der ganzen Welt gleichzeitig stattfindet. Zugleich steigt die Geschwindigkeit der globalen Erwärmung, sie ist so so groß wie nie seit mindestens 2000 Jahren (Uni Bern), es wird also schneller wärmer als nach früheren Eiszeiten.

Die Folgen spüren wir bereits: extremes Wetter und erzwungene Migration, weil die Menschen in ihrer Heimat nicht mehr sicher leben können. Bei diesen drastischen Veränderungen kann man nicht mehr von natürlichen Prozessen sprechen. Nicht von ungefähr wollen die Unterzeichner des Pariser Klimaabkommens die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad begrenzen. Sie wissen, dass es sonst für uns alle gefährlich wird.

„Wir haben noch ein Jahrzehnt Zeit, um unsere Treibhausgasemissionen deutlich herunterzufahren und diese Kipppunkte zu vermeiden. Denn wenn diese einmal überschritten sind, kann man die Folgen nicht mehr rückgängig machen: Sie heizen den Klimawandel dann nochmals so weit an, dass bei einer Erwärmung von mehr als eineinhalb oder zwei Grad wirklich drastische Veränderungen eintreten,“ sagt die Zurich Versicherung. Keine Ökos, sondern Versicherungsunternehmer.

Klimawandel-Fakten #4: Verbreitet der Weltklimarat wirklich Panik?

Die Klimalüge: Der Weltklimarat sei inkompetent und würde kein Wissen, sondern Furcht und Panik verbreiten.

Die Klimawandel-Fakten: Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) wurde gegründet, um den Stand der wissenschaftlichen Forschung zum Klimawandel zusammenzufassen, damit politische Entscheidungsträger auf Basis von Wissen Entscheidungen treffen, statt auf Basis von Vermutungen. Das IPCC forscht nicht, es trägt Forschungsergebnisse und Studien zusammen und veröffentlicht eine Übersicht.  Anhand von Klimamodellen prognostizieren die Experten bis zum Jahr 2100 eine beunruhigende Erwärmung der Erdatmosphäre von 1,4 auf 5,8 Grad Celsius, falls wir den CO2-Anstieg nicht stoppen. Panikmache?

Ein Haus brennt und der Hausmeister ruft „Feuer!“ – ja, das ist unangenehm und sorgt vielleicht sogar für Panik. Aber werfen wir dem Hausmeister deswegen Panikmache vor? Was Klimaleugner sich hier offenbar wünschen, dass wir den Kopf in den Sand stecken und das Problem einfach ignorieren. Aber so lösen erwachsene Menschen Probleme nicht – und Feuer löscht man durch Wegschauen übrigens auch nicht.

Der IPCC verbreitet keine Panik, er stellt lediglich mögliche Szenarien vor, wie unsere Zukunft aussehen könnte. Der Sinn dieser Prognosen ist, dass wir unser globales Verhalten ändern können, solange das noch möglich ist. Im Gegenteil gilt der IPCC als eher konservativ, was Warnungen angeht. Viele Prognosen erwiesen sich als harmloser als das, was dann tatsächlich passierte.

Drei Beispiele: Wir verbrauchen mehr fossile Brennstoffe als gedacht, die Meeresspiegel steigen schneller als erwartet und die Arktis schmilzt nicht so langsam wie erhofft. 

Der IPCC verbreitet keine Panik, er informiert uns – damit wir handeln können.

Klimawandel-Fakten #5: Ist das Klima so unberechenbar wie das Wetter?

Die Klimalüge: KlimaleugnerInnen bestreiten, dass Wissenschaftler und Klimaforscher Vorhersagen treffen können, die weit in der Zukunft liegen. Ihr Argument: Selbst das Wetter der nächsten sieben Tage lässt sich kaum exakt bestimmen! Woher wollen Forscher dann wissen, wie das Klima in hundert Jahren aussieht?

Die Klimawandel-Fakten: Die Wettervorhersage zu Sonne satt am Wochenende ist in der Tat eine eher wacklige Prognose, da unser aktuelles, regionales Wetter von vielen Faktoren bestimmt wird, die sich schnell ändern können. Die Wettervorhersage sagt eben Wetter voraus.

Aber: Klima ist nicht Wetter, sondern vereinfacht gesagt der Durchschnitt allen Wetters auf der Erde. Daher sind Wettervorhersagen und Klimaprognosen nicht miteinander vergleichbar. Wir wissen ja auch, dass es im nächsten Sommer warm, im übernächsten Winter kalt wird – obwohl die Prognose für die übernächste Woche ungenau ist.

Wer den Klimawandel beobachtet, misst Veränderungen über Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte und wertet diese kontinuierlich aus. Der Hinweis auf kurzfristig unvorhersehbare Wetter-Änderungen ist also ein rein rhetorischer Trick von Klimaleugnern.

Klimawandel-Fakten #6: Sind Dürren wirklich kein Problem, weil es ja auch regenreiche Unwetter gibt?

Die Klimalüge: Anhaltend extrem hohe Temperaturen führen oft zu heftigen Unwettern. Und die damit verbundenen Regenfälle sorgen doch für reichlich Wasser, oder? Also sind Dürren sich auch kein Problem!

Die Klimawandel-Fakten: Siehe #5. Mehr Regenfälle am Ort A heißt nicht, dass nicht am Ort B mehr Dürren stattfindet. Und beide sind gleichermaßen ein Problem und sorgen für Ernteausfälle, auch bei uns. Am Beispiel Thüringen zeigt das diese Multimedia-Seite.

Ob dieses eine Extremwetter, dieser Sturm und jene Dürre wirklich direkt von Klimawandel befeuert wurde, das war lange Zeit tatsächlich umstritten, auch unter Nicht-Klimaleugnern. Inzwischen gehen Klimaforscher aber davon aus, dass die Zunahme von Hitzewellen definitiv eine Begleiterscheinung des Klimawandels ist.

Mehr Regenfälle hier und mehr Dürren dort sind beide gleichermaßen ein Problem des Klimawandels.

Klimawandel-Fakten #7: Sind Meeresspiegel-Messungen wirklich falsch?

Die Klimalüge: Das große Auftauen der Gletscher würde sich nicht auf den Meeresspiegel auswirken können, sagen Klimaleugner, und es gäbe hier vor allem widersprüchliche Aussagen. 

Die Klimawandel-Fakten: Meeresspiegel-Messungen sind nicht per se fehlerhaft, aber ja: Sie sind schwierig. So steigt nicht nur der Wasserstand, sondern gleichzeitig verändert sich auch die Höhe der Landmassen, hinzu kommen Faktoren wie Winde und Strömungen …

Dennoch zweifelt die Wissenschaft nicht an letztlich steigenden Meeresspiegeln – und damit verbunden am Problem schwindender Landmasse: In Marseille soll das Mittelmeer heute 10 Zentimeter höher sein als vor 30 Jahren, auf der ostfriesischen Insel Borkum 6 Zentimeter höher, in einigen Regionen Asien sollen es schon bis zu 40 Zentimeter höhere Pegel geben (Correctiv) und die Hälfte aller Sandstrände könnte Ende des Jahrhundert weg sein (Klimareporter). Unterschiedlich beurteilt wird vor allem, welche Folgen die Schmelze auf betroffene Küstenregionen der Erde haben wird.

Eins noch: Klimaleugnern in der Mitte Deutschlands gehen Klimalügen rund um Meeresspiegel-Prognosen wahrscheinlich leichter über die Lippen als etwa in den Niederlanden, wo die Landfläche ohnehin schon zur Hälfte unter dem Meeresspiegel liegt – und die steigenden Spiegel eine existentielle Bedrohung darstellen. Weswegen man sich dort vorbereitet, statt die Zeit mit Leugnen zu verplempern.

Klimaleugner sollen sich wenigstens Gummistiefel anschaffen.

Ist es nicht ohnehin besser, wenn es wärmer wird?

Das ist nicht direkt eine Lüge und für manche Pflanzen und Tierarten mag es vielleicht sogar zutreffen – und mildere Winter sorgen dafür, dass unsere Heizungen weniger CO2 ausstossen. Dennoch sind sich die Wissenschaftler einig, dass die Nachteile deutlich überwiegen werden.

Das liegt vor allem an der Schnelligkeit, mit der sich das Klima ändert und es immer wärmer wird. Denn weder Tiere noch Pflanzen können sich derartig schnell auf veränderte Bedingungen umstellen – der Mensch übrigens auch nicht.

Viele Lebensformen auf Erden sind daher durch Klimaveränderungen ausgestorben und die eigentliche Frage ist, ob wir diesem Club wirklich angehören wollen. Selbst hartnäckige Klimaleugner lassen sich vielleicht durch Hinweise auf den folgenreichen Hitzesommer von 2019 überzeugen: Waldbrände und Ernteausfälle waren bis dato in Deutschland eher unbekannt.

Der Klimawandel ist keine Lüge, sondern Fakt. Trotz der hier vorgestellten Behauptungen von KlimaleugnerInnen. Wir müssen uns dem Klimawandel stellen und Zeit ist dabei ein ganz entscheidender Faktor. Wir brauchen sie, um umzudenken und unser klimaschädliches Verhalten zu ändern.

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