weltverbesserer Leben „Mehr Mut zur Menschlichkeit“ – fünf Dinge, die wir von Norbert Blüm lernen können

„Mehr Mut zur Menschlichkeit“ – fünf Dinge, die wir von Norbert Blüm lernen können

Foto: Konrad Adenauer Stiftung/CDU unter CC-CY-SA 3.0 de; Farbbearbeitung, Zuschnitt, Collage

Am 23. April 2020 ist der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm im Alter von 84 Jahren gestorben. Ein lebenslanges Anliegen war dem Politiker, die Unterstützung der Armen und Schwachen – dabei lagen ihm besonders die Rechte der Kinder am Herzen.

Der gebürtige Rüsselsheimer Norbert Blüm (CDU), setzte sich nicht nur während seiner Zeit als Bundesminister für Arbeit und Soziales für benachteiligten Gruppen ein, sondern kämpfte auch nach dem Ende seiner politischen Laufbahn weiter für die Menschen.

Ein besonderes Anliegen war ihm der Kampf gegen Kinderarbeit und die Umsetzung von Kinderrechten. Damit machte sich der gelernte Werkzeugmacher stark für mehr Menschlichkeit untereinander. Auch als Großvater von Enkelkindern wurde er nicht müde zu betonten, dass die Arbeit nicht aufhöre: „Vergiss über die Freude nicht, dass noch Millionen Menschen weinen.“

Politisch mag der Hesse eine streitbare Figur gewesen sein, als Mensch stand er stets auf der Seite der schwächeren Mitglieder der Gesellschaft. Sich unermüdlich und lebenslang für die eigenen Überzeugungen einzusetzen, das machte Norbert Blüm zu einem Vorbild, von dem man etwas lernen kann.

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„Überlege Dir lang, was richtig ist“

„Die Welt ist nicht so, dass man sich zur Ruhe setzen kann“ gab Norbert Blüm 2011 in einem Interview auf dem Medienpreis der Kindernothilfe zu bedenken.

Klug und Weise zu entscheiden was richtig ist, nach Blüm war das enorm wichtig. Sich Zeit zu nehmen, Dinge zu überdenken und auf Basis der eigenen Meinung zu entscheiden. Das war ein Rat, den Norbert Blüm anlässlich des Todes von Parteikollege Heiner Geißler im Gespräch nicht nur für den jungen Parteinachwuchs parat hatte:

„Überlege dir lang, was richtig ist. Wenn du weißt, was richtig ist, dann marschiere los, ohne zu fragen, ob der Wind von vorne, von der Seite oder von hinten bläst. Du musst für deine Überzeugungen eintreten, wenn du überzeugt bist. Mach dir es nicht so leicht mit der Entscheidung. Überlege die Gegenargumente. Aber ab einem bestimmten Punkt gilt es: Bleib stehen, egal woher der Wind weht.“

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„Höflichkeit macht das Leben leichter“

„Grobe Wahrheit kann sehr verletzend sein“, gab Norbert Blüm in einem TV-Auftritt zu bedenken. Insgesamt solle man die Menschlichkeit hochhalten und im Umgang miteinander höflich und respektvoll sein, so der Autor von Sach- und Kinderbüchern.

Sich rücksichtsvoll verhalten und Gespräche auf Augenhöhe zu führen, anstatt anderen die eigenen Worte entgegenzuschleudern, ist ein wichtiger Schritt, um entspannt zu kommunizieren. Sich im Umgang miteinander an bestimmten Verhaltensregeln zu orientieren, gibt allen Teilnehmern die Möglichkeit friedlich in den gemeinsamen Dialog zu treten.

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.„Nehmt Rücksicht aufeinander“

In seinem Buch „Verändert die Welt, aber zerstört sie nicht: Einsichten eines linken Konservativen“ schreibt Norbert Blüm in einem Brief an seine Enkel: „Seid Euch nie selbst genug. Von der Wiege bis zur Bahre seid Ihr auf andere angewiesen und Sie auf Euch. Sich nur selbst genießen zu wollen macht traurig.“

In seinem Werk plädiert er unter anderem für zentrale Werte wie Gerechtigkeit, Solidarität und Respekt gegenüber jedem Einzelnen. „Wir müssen unseren Enkeln eine menschliche Zukunft sichern. Eine bessere Welt ist möglich. Es liegt an uns allen, sie zu verwirklichen. Krieg, Folter, Ausbeutung, Ungerechtigkeit sind keine Wetterereignisse wie Tsunami oder Blitz. Sie sind auch nicht gottgegeben, sondern von Menschen geschaffen. Also können sie auch von Menschen abgeschafft werden“, schreibt er, und formuliert mit dem Buch gleichzeitig einen Wunsch für die Zukunft und eine Forderung an die Kinder, Enkel und Mitglieder der Gesellschaft.

„Zusammenhalten, egal was kommt!“

Auf die Frage, was für eine Beziehung wichtig sei, antwortete Norbert Blüm, sich „aufeinander verlassen können ist wichtig“. Beständigkeit im Leben sei ebenfalls nötig für eine Struktur. Mitzubekommen was los ist, ob in der Familie oder in der Welt, war nach ihm essenziell für die Gemeinschaft. Das gelte für die Gesellschaft im Allgemeinen.

Norbert Blüm war von 1964 bis zu seinem Tod mit Marita Blüm verheiratet. Kennengelernt hatten er und seine Frau sich während des Studiums. Das Ehepaar hat drei Kinder.

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„Bleibt neugierig und engagiert“

„Es ist nicht alles erlaubt, was nicht verboten ist“ so Norbert Blüm und zielte damit wohl auch auf die Eigenverantwortung ab, die jeder Mensch als Mitglied innerhalb der Gesellschaft trägt.

Als Großvater sei es ihm wichtig den Enkelkindern etwas mitzugeben. „Versuch deinen Enkeln beizubringen, nicht nur an dich zu denken“ so Blüm. Ich-Sucht mache blöd, meinte der Politiker und sprach damit etwas an, was gerade in der aktuellen Zeit vielen am Herzen liegt.  

Sich für andere zu engagieren und einzusetzen gehört in einer offenen Gesellschaft mit zu den Regeln. Statt auf Ellbogen-Mentalität sollte man sich auf die Gemeinschaft und das Miteinander besinnen. Dabei neugierig zu bleiben und sich bis ins hohe Alter zu engagieren, hat sich Norbert Blüm im Interview gewünscht. Diese Werte hat er bis an sein Lebensende genauso auch gelebt.

Aufmacherbild / Norbert Blüm: Konrad Adenauer Stiftung/CDU & CC-CY-SA 3.0 de; Farbbearbeitung, Zuschnitt, Collage