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Mikroplastik und Plastik vermeiden

Kunststoffe werden zunehmend zum Umweltproblem, darum versuchen viele Menschen, im Alltag Plastik zu vermeiden. Aber wie? Hier sind unsere Tipps.

Plastik ist allgegenwärtig: Nicht nur im Supermarkt oder in den Regalen unserer Küchen und Bäder, sondern inzwischen leider auch in der Natur. Forscher fanden Plastik schon am tiefsten Punkt der Erde, im Hochgebirge, in der Arktis. Im Nordpazifik schwimmt inzwischen sogar ein geschätzt 1,6 Mio. Quadratkilometer großer Müllstrudel. Und pro Woche verzehren wir durch Kunststoffe im Essen bereits Plastik vom Gewicht einer Kreditkarte (WWF).

Das Plastik-Problem

Warum ist das so? Weil wir Kunststoffe seit Jahrzehnten in ungeheurem Ausmaß produzieren und konsumieren. Allein in den Jahren zwischen 1950 und 2015 wurden laut Plastikatlas 2019 weltweit 8,3 Milliarden Tonnen Plastik hergestellt, also etwa eine Tonne pro Mensch. Nur wenig davon wird wirklich recycelt, vieles wird einfach verbrannt.

Plastik, das weder recycelt noch verbrannt wird, landet oft in der Natur. Und dann wird der Segen von Plastik zum Fluch: Es ist extrem stabil, langlebig, verrottet nicht, baut sich nicht ab. Statt dessen wird es nur zerrieben und zerkleinert und am Ende zu Mikroplastik.

Dieses wiederum bedeckt und erstickt Meeresböden, und weil Tiere das Plastik mit Nahrung verwechseln, gelangt es auf verschiedene Weise in die Nahrungsketten. Das ist besonders fatal, weil Mikroplastik Schadstoffe anzieht, die am Ende dann auf unseren Tellern landen. 

Mikroplastik und Plastik vermeiden
Plastik, das weder recycelt noch verbrannt wird, landet oft in der Natur.

Doch was tun? Hier die wichtigsten Tipps:

Plastik vermeiden vor dem Einkauf

Es klingt vielleicht etwas banal, aber wir sollten aufhören, beim Einkauf Plastiktüten zu benutzen. Immerhin haben wir uns schon gebessert: Noch 2015 verbrauchte jeder von uns durchschnittlich 68 Plastiktüten pro Jahr, 2018 waren es nur noch 24 Tüten.

Aber warum eigentlich überhaupt noch eine Plastiktüte mitnehmen? Inzwischen müssten wir alle so viele Baumwollbeutel haben, dass niemand auch nur eine einzige Tüte haben muss! Und tatsächlich bieten einige Supermärkte sogar schon Baumwollbeutel zum Ausleihen. Achte in deinem Markt einmal darauf.

Also: Zum Einkaufen immer einen Baumwollbeutel oder etwas ähnliches mitnehmen! Und die verführerischen Mini-Plastiktüten an Obst- und gemüse-Theken meiden: Es gibt längst auch Mehrweg-Baumwollbeutel für Obst & Gemüse

Kein Plastik einkaufen

Klingt eigentlich noch banaler. Denn wer würde denn ganz bewusst Plastik shoppen?

Leider wir alle! Es ist uns nur nicht immer gleich bewusst: Die Tiefkühl-Pizza. Der Joghurt. Die Coca-Cola-Flasche. Der vorgeschnittene Scheiben-Käse. Die eingeschweisste Gurke. Die Zahnpasta in der Tube. Das Oster-/Weihnachts-/Muttertags-Geschenkset mit mehrfach in Plastik verpackter Schokolade … oft enthalten gerade Naschwaren ungeheuer viel Verpackungsplastik.

Kurzum: Es sind vor allem Supermarkt-Produkte und Discounter-Waren, die uns Plastikmüll bescheren. Würden wir nur Frisches auf Wochenmärkten einkaufen, müssten wir wöchentlich weitaus weniger Plastik wegwerfen. Lies dazu auch unseren Beitrag zu verpackungsfrei einkaufen.

Bei Kosmetik genau hinschauen

Kosmetika und Pflegeprodukte kommen gleich mit zweierlei Plastik daher. Zum einen stecken sie in Plastik-Verpackungen, die, wenn sie leer sind, im Müll landen. Zum anderen enthalten noch immer viele Kosmetika Mikroplastik, etwa um sich leichter auf der Haut verteilen zu lassen (ja, wir schmieren uns Plastik auf die Haut!) oder einen Peeling-Effekt zu erzielen (der mit pflanzlichen und mineralischen Partikeln genauso machbar ist). Jährlich gelangen durch die Nutzung solcher Produkte mehrere Hundert Tonnen Mikroplastik ins Abwasser.

Mikroplastik und Plastik vermeiden
Plastik vermeiden ist bei vielen Dingen des Alltags möglich, es gibt zum Beispiel Papier-Wattestäbchen.

Theoretisch kannst du das ganz einfach vermeiden, indem du keine Produkte mit Plastik kaufst. Zahnpasta gibt es zum Beispiel in Dragee-Form im Glas (Denttabs). Statt flüssigem Shampoo und Duschgel bieten sich feste Seifenstücke an, die im Bad weniger bis keinen Müll verursachen. Und einige Hersteller bieten sogar schon Kosmetik zum Nachfüllen. Super!

Aber ganz so einfach ist es auch nicht, vor allem beim Mikroplastik. Denn die Hersteller nennen es selten beim Namen, sonst würde ja niemand mehr diese Produkte kaufen. Hier daher einige Kurztipps, wie du Produkte mit Mikroplastik erkennen kannst:

  • Achte auf zertifizierte Naturkosmetik. Diese ist fast immer frei von Mikroplastik. 
  • Spezielle Apps zeigen dir Inhaltsstoffe in Produkten – und machen auf Mikroplastik aufmerksam. Mit CodeCheck scannst du einfach den Barcode des Produktes ein und hältst nach Warnhinweisen Ausschau. Bei Mikroplastik meldet Codecheck typischerweise ein „schwer abbaubares Polymer“.
  • Greenpeace hat eine Mini-Checkliste (PDF) für den Geldbeutel zum Selberausdrucken, um die Bezeichnungen für Mikroplastik auf der Inhaltsstoffliste zu erkennen.
  • Lies den hilfreichen Mikroplastik-Ratgeber des BUND (PDF).

Kleidung aus synthetischen Fasern

Durch den Verzicht auf synthetische Kleidung kannst du ebenfalls die Umwelt schützen. Vor allem Fleece-Stoffe (aber nicht nur diese) verlieren laut Studien beim Waschen winzige Mikrofasern, die direkt als Mikroplastik ins Abwasser gelangen.

Was tun?

  • Meide Kleidung aus synthetischen Textilien wie Polyester und Acryl.
  • Bevorzuge Naturfasern wie Bio-Baumwolle, Leinen, Hanf, Wolle.

Das gilt für Kleidung ebenso für für Handtücher, Bettwäsche, Putzlappen und Taschen.

Mikroplastik und Plastik vermeiden
Die meisten Zigarettenstummel enthalten in irgendeiner Form Kunststoffe.

Plastik vermeiden – 7 Fakten & Tipps:

  1. Auto-Reifen sind überraschenderweise einer der größten Faktoren für Mikroplastik in der Umwelt.
  2. Zigarettenstummel landen leicht in der Umwelt. Und es sind mehr als 5,6 Billionen Zigaretten, die wir weltweit jährlich rauchen (ZDF). Die Filter bestehen oft aus Celluloseacetat, einem Verbundwerkstoff aus Zellulose und Plastik. Jeder achtlos weggeschnippte Zigarettenstummel sorgt also für mehr Plastik in der Natur.
  3. To-go-Kaffee ist auch ein Plastikproblem. Pro Jahr schmeissen wir 3 Milliarden Becher weg (DUH), und diese bestehen nur scheinbar aus Pappe: In Wirklichkeit ist auch dies häufig ein Verbundwerkstoff aus Papier und Plastik.
  4. Getränke-Einwegflaschen aus Plastik sind ebenfalls ein Problem. Gefühlt sprechen wir viel von Mehrweg, in Wahrheit aber sinkt die Zahl der Mehrwegflaschen. Einfachster Weg, Einwegflaschen zu umgehen: Kaufe eine Trinkflasche aus Edelstahl oder Glas und fülle sie mit kostenlosem Trinkwasser aus dem Wasserhahn. Eine solche Trinkflasche hält ewig und kann Hunderte, wenn nicht Tausende von Einwegflaschen ersetzen.
  5. Mittags-Snacks holen sich viele von uns aus dem Supermarkt. Verständlich: Wir wollen schnell was essen, zu teuer soll es nicht sein, zu lange darf es nicht dauern … Das Ergebnis ist fast immer Müll, und zwar vor allem solcher aus Plastik. Abhilfe: Die gute alte Brotdose für die Mittagspause. Bei Selbstgemachtem weisst du übrigens auch viel besser, was drin steckt.
  6. Party-Besteck meiden. Versteht sich ja irgendwie von selbst, dass Plastik-Messer, -Gabeln, -Teller und -Strohhalme zwar schön bunt sind, aber irgendwie auch ganz schön überflüssig.
  7. Im Urlaub an die Gewässer denken. In Deutschland vermüllen wir mit unserem Plastik unsere eigenen Seen und Flüsse, doch die Meere werden natürlich vor allem von Küstenbewohnern belastet. Da viele von uns immer wieder auch mal Urlaubs-Küstenbewohner sind: Versuch doch, auch im Urlaub so weit wie möglich auf (Einweg-)Plastik zu verzichten.
Mikroplastik und Plastik vermeiden
Es gibt sicher auch sinnvolles Plastik – doch vor allem Kunststoff-Wegwerfprodukte sind nicht sinnvoll.

Ein letztes Wort zu Kunststoffen: Das Problem ist nicht der Werkstoff an sich – er bietet einzigartige Eigenschaften, die unverzichtbar in der heutigen Gesellschaft sind. Es ist auch nicht sinnvoll, jetzt alle Plastikprodukte im Schrank zu identifizieren und durch Metall und Glas zu ersetzen – damit ist in Sachen Müllvermeidung nicht viel gewonnen.

Das Problem bei vielen Kunststoffprodukten ist vor allem, dass wir sie als Wegwerfprodukte einsetzen. Das ist der Unterschied zwischen einer sinnvollen, langlebigen „Tupperdose“ – und einem Fertigsalat in der Wegwerf-Plastikbox.

„Aber wird das denn bei uns nicht alles recycelt?“, fragst du dich jetzt vielleicht. Das Recycling ist schwieriger als erhofft, vor allem bei Verbundstoffen wie Getränkekartons oder Verpackungen von Fertiggerichten. Diese sind aus so vielen unterschiedlichen Werkstoffen hergestellt, dass sie nicht mehr sortenrein getrennt werden können. Für den Recyclingprozess sind sie dann nicht geeignet, daher wird noch immer mehr als die Hälfte des Plastiks verbrannt (UBA). Wenigstens gelangt es so nicht direkt in die Umwelt…

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