weltverbesserer Leben Sanfter Tourismus: 7 Reise-Tipps für Weltverbesserer

Sanfter Tourismus: 7 Reise-Tipps für Weltverbesserer

Die Generation Z denkt spätestens seit Fridays for Future sehr genau nach, ob sie mal schnell an die so beliebten Wochenendziele jettet. Sanfter Tourismus muß deswegen aber nicht gleich „Balkonien“ heißen …

Fliegen und liegen war gestern. Und das ist gut so: Denn diese Art von Tourismus schadet der Umwelt und unserem Klima erheblich. Ganz aufs Reisen verzichten muss aber niemand. Mit unseren Tipps könnt ihr mit gutem Gewissen in den Urlaub fahren – fair und umweltfreundlich.

Sanfter Tourismus: umweltfreundlich unterwegs!

Wer Klimaschutz ernst nimmt, kommt am Thema Verkehrsmittel nicht vorbei. Reisen im eigenen Auto oder mit dem Flieger schaden dem Klima mehr, als ein Trip per Bahn oder mit dem Fernbus. Nur ein Beispiel: Allein euer Anteil an Emissionen bei einem einfachen Flug von Berlin nach New York schmilzt drei Quadratmeter arktisches Eis!

Tipp 1: Nicht immer in die Ferne schweifen

Schaut euch doch mal nach einem näher gelegenen Urlaubsziel um. Sanfter Tourismus heißt auch: Urlaub im eigenen Lande. Und das muss nicht langweilig sein – Campen im Nachbarort, eine zünftige Bergwanderung oder eine Stadtführung in der eigenen Heimatstadt sind oft abenteuerlicher als ein All-inkl.-Trip in exotische Fernen.

Wer unbedingt weiter weg will, braucht heute kein Auto. Umweltfreundliche Angebote sind im Kommen, zum Beispiel die Städtereisen der Bahn oder die 25 Orte der Alpine Pearls mit Orten in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich und Slowenien.

Tipp 2: Nachhaltig reisen gilt auch für die Unterkunft

Sanfter Tourismus hört nicht mit der An- und Abreise auf. Schaut euch nach Locations um, die nachhaltig konzipiert sind. Mit Portalen wie ecobnb.de oder bookitgreen.com findet ihr Locations, die bestimmten Nachhaltigkeitskriterien genügen.

Im Einklang mit der Natur arbeiten etwa Bio-Domizile vom Hotel bis zum Bauernhof. Allein die Vereinigung der Bio-Hotels bietet mittlerweile an die 150 Hotels in Europa! Auch die Zahl der Bio-Bauernhöfe, die Gäste aufnehmen, wächst. Bio-Unterkünfte gehen bewusst sparsamer mit Ressourcen wie Wasser und Energie um, vermeiden Müll und setzen auf regionale Produkte. Vegane und vegetarische Speisen werden zuweilen selbstverständlich angeboten.

Oft ist der nächste Hof gar nicht weit entfernt, was wiederum den CO2-Fußabdruck verringert. Im Durchschnitt liegt der in Deutschland bei um die 11,3 Tonnen pro Nase (EEA). Ihr seid schon besser? Hier könnt ihr euren Abdruck checken.

Tipp 3: Achtsam auch im Urlaub

Wie du mir, so ich dir. Das gilt auch vor Ort im Urlaub. Wenn ihr die Natur liebt, geht pfleglich mit ihr um, damit eure Traumorte ein Traum bleiben. Nehmt am Urlaubsort auf die Umwelt Rücksicht – damit es für Anwohner wie andere Besucher so schön bleibt. Achtsamkeit kann viel verändern.

Wiederbefüllbare Trinkflaschen und Stoffbeutel helfen Plastikmüll zu vermeiden. Müll bitte nicht in der Natur herumliegen lassen – auch keine Kippe! Waldbrandgefahr!  Weltverbesserer wissen: Die Verhaltensregeln in Naturschutzgebieten sind keine Schikane, sondern schützen Land, Tier und Mensch.

Sanfter Tourismus achtet übrigens auch auf nachhaltige Ernährung: Lokale Produkte schmecken in der Regel besser und ein Besuch auf dem Wochenmarkt ist ein echtes Urlaubs-Highlight, das ihr euch nicht entgehen lassen solltet. Damit unterstützt ihr die lokale Wirtschaft – und macht auch mit dem Gaumen Urlaub.

Erholung muß sein – und nachhaltiger Urlaub schadet der Umwelt weniger.

Tipp 4: Geiz ist nicht geil

Spart bitte nicht am falschen Ende. In der Tourismusbranche wird wenig verdient – auch der sanfte Tourismus macht da (noch) keine Ausnahme, weil sich Investitionen in Nachhaltigkeit erst über längere Zeiträume rechnen.

Ob der Service im Restaurant oder hilfreiche Reiseleiter, Busfahrer und Hotelpersonal: ein Trinkgeld für guten Service macht für die Menschen vor Ort manchmal einen Riesenunterschied. Zeigt Wertschätzung für die Menschen, die euch am Urlaubsort verwöhnen und sich für einen umweltfreundlichen Umgang mit der Natur einsetzen – eure schönste Zeit des Jahres ist für sie oft die einzige Einnahmesaison.

Tipp 5: Nachhaltiger Urlaub startet zuhause

Zuhause geht die Reise los, auch die sanfte. Schaltet zum Beispiel alle elektronischen Geräte aus. Und zwar richtig. Alle Geräte mit Fernbedienung – sprich Fernseher, Blu-Ray-Player & Co. verbrauchen im weiterhin Strom.

Laut Statista besitzen etwa 33 Millionen Deutsche einen, 25 Millionen zwei und ca. 8 Millionen sogar drei oder mehr TV-Geräte. Insgesamt sind das 100 Millionen Fernseher, die pro Jahr 3,7 Gigawattstunden Strom schlucken. Soviel wie ein durchschnittliches Wasserkraftwerk. Nur für den Standby-Betrieb unserer Fernseher. Noch Fragen?

Tipp 6: Sicher im Urlaub

Im Prinzip solltet ihr euch nur zutrauen, was ihr wirklich könnt. Und euch vernünftig ausrüsten. Ja, der Sneaker ist cool, aber am Berg nicht die beste Idee. Nachhaltig bedeutet auch, dass ihr gesund und munter durch die Ferien kommt. Eine kleine Reiseapotheke ist auch für Superfitte sinnvoll.

Ins Notfallset gehören neben Pflastern, Binden, Schere und Pinzette vor allem Desinfektionsmittel und Medikamente gegen Fieber, Durchfall und Schmerzen. Und obwohl unsere europäischen Destinationen in der Regel eine gute Gesundheitsversorgung bieten, kann sich eine Auslandsreise-Krankenversicherung bei größeren Malaisen als ausgesprochen nützlich erweisen.

Tipp 7: Wenn schon fliegen, dann nur mit CO2-Ausgleich

Sind euch die Kurztrips nach „Malle“ oder Barcelona auch schon ein bisschen peinlich? Da seid ihr nicht die einzigen: Satte 69 Prozent der 18-24-Jährigen empfinden laut einer neuen YouGov-Studie Flugscham. Also nutzt Züge und Fernbusse (wie Flixbus), beide sind erwiesenermassen umweltfreundlicher als Flieger – und mehr Urlaubs-Abenteuer gibts gerade in Bussen auch!

… es muss aber unbedingt ein Flug sein? Dann gleicht wenigstens eure CO2-Emissionen aus! Das geht mit CO2-Offsetting und funktioniert so:

  1. Zum Flug zahlt ihr eine Spende, abhängig von der Höhe der CO2-Emissionen.
  2. Die Spende finanziert Umweltprojekte (meist in in Ländern des globalen Südens).
  3. Diese Umweltprojekte führen dort zur Einsparung von Emissionen, die eure Emissionen ausgleichen.

Das wird durchaus auch kritisiert, denn natürlich kaufen wir reichen Länder des globalen Nordens uns damit irgendwie auch von Verantwortung frei. Außerdem sollte es uns nicht dazu verleiten, sorglos zu fliegen: Emissionen zu vermeiden ist immer besser, als sie zu kompensieren.

Doch Befürworter des CO2-Emissionsausgleichs weisen zu Recht darauf hin, dass es für das globale Klima keine Rolle spielt, wo CO2 eingespart wird – wichtig ist, das global überhaupt Klimagase reduziert werden. Und ohne diese Spenden gäbe es viele Umweltprojekte nicht.

Einige Anbieter für die CO2-Kompensation sind atmosfair, Klima-Kollekte und primaklima.org, sie alle bekamen 2018 ein „sehr gut“ bei Stiftung Warentest. Erwähnt sei auch Easyjet, die erste Airline, die auf allen Flügen im In- und Ausland die CO2-Emissionen aus dem von ihr verbrauchten Treibstoff ausgleicht.

Mini-Tipp in Sachen CO2 und Reisen: Leichteres Gepäck reduziert Treibhausgas-Emissionen ebenfalls – egal mit welchem Verkehrsmittel. Muß es wirklich die dicke Kamera mit schwerem Stativ sein, wirklich drei Paar Schuhe, vier Jeans? Pluspunkt für euch: weniger schleppen!

Kann sanfter Tourismus die Welt retten?

Wahrscheinlich nicht. Aber er ist besser als der übliche Massentourismus. Und egal, welchen Punkt ihr besonders beherzigt: Ihr tragt jedes Mal persönlich dazu bei, unseren Planeten zu schützen und lebenswert zu erhalten – ein gutes Gefühl, oder? In diesem Sinne: einen wunderschönen Urlaub!

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