weltverbesserer Machen Viva con Agua: Sie können Millionen das Wasser reichen

Viva con Agua: Sie können Millionen das Wasser reichen

Foto © Stefan Groenveld

Eine in einem Trainingslager auf Kuba geborene Idee ist zu einem erfolgreichen Verein herangewachsen: Viva con Agua fördert weltweit Projekte zur Trinkwasserversorgung – und verbreitet dabei auch noch ganz viel Lebensfreude.

Durch den Kampf gegen den Klimawandel sind andere, ebenso drängende Missstände in den Hintergrund geraten. Davon sind vor allem Länder im globalen Süden betroffen, die über keine starke Lobby verfügen, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen.

Auch im 21. Jahrhundert herrscht deshalb noch in vielen Ländern ein Mangel an etwas Elementarem: sauberem Wasser. Dabei ist der Zugang zu sicherem Trinkwasser sogar ein anerkanntes Menschenrecht.

Zwei Kinder: eins aus Berlin und eins aus Kathmandu in Nepal. Marco Fischer für Viva con Agua
Hier sind zwei Forderungen zu sehen, eine (links) aus Berlin und eine (rechts) aus Nepal. Die Botschaft bleibt die gleiche. Fotos: Marco Fischer für Viva con Agua

Während hierzulande jederzeit fast kostenloses und keimfreies Trinkwasser aus der Wand kommt, besitzen laut World Health Organization (WHO) noch 780 Millionen Menschen keine sichere Wasserquelle, die sich in 30 Minuten zu Fuß erreichen lässt. Das ist umso bedenklicher, als die UN voraussagt, dass der weltweite Wasserbedarf auf absehbare Zeit von Jahr zu Jahr weiter zunehmen wird.

Zwei Milliarden Menschen, so die WHO, verfügen sogar über keine adäquaten Toiletten oder Latrinen – das ist jeder vierte Mensch. Es ist schwer zu sagen, welche der beiden Zahlen skandalöser ist. Beide führen uns vor Augen, dass wir von den Menschen, die uns am meisten brauchen, paradoxerweise oft am wenigsten mitbekommen.

Viva con Agua hilft seit 2006

Zum Glück gibt es mutige Individuen und Initiativen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, unsere Energie, Zeit und Geld dahin zu lenken, wo sie einen echten Unterschied bewirken können. Die Non-Profit-Organisation Viva con Agua (mit Hauptsitz in Hamburg) gehört seit 2006 zu diesen Vorkämpfern.

Das spanische „Viva con Agua“ bedeutet: „Lebe(n) mit Wasser“. Der gemeinnützige Verein dieses Namens hat das ausdrückliche Ziel, Menschen auf der ganzen Welt mit sauberem Trinkwasser und grundlegenden sanitären Möglichkeiten zu versorgen.

Aufgenommen bei einer Projektreise 2019 von Viva con Aqua nach Äthiopien. Bild: Stefan Groenveld für Viva con Agua
Ein Brunnen mit Handpumpe in Äthiopien. Aufgenommen bei einer Viva-con-Aqua-Projektreise 2019. Foto: Stefan Groenveld.

Dazu errichtet Viva con Agua in Ländern des globalen Südens beispielsweise Flachbrunnen mit Handpumpsystem (siehe Bild) oder Latrinenblöcke mit Waschmöglichkeiten. Allein 2018 wurden so 13 Projekte in sieben Ländern (Äthiopien, Kenia, Indien, Nepal, Uganda, Ruanda und Sudan) finanziert, und zwar mit einer beeindruckenden Summe von über zwei Millionen Euro (aktuelle und zukünftige Viva-Projekte finden sich hier).

Viva con Agua: Herzblut für Wasser

Die größte Partnerorganisation, mit der Viva con Agua in anderen Ländern zusammenarbeitet, ist die Welthungerhilfe: Viva con Agua hat in der Vergangenheit über 12 Millionen Euro eingesammelt, die in gemeinsame Wasserprojekte gesteckt wurden. Außerdem kooperiert der Hamburger Verein natürlich mit NGOs vor Ort.

Viva con Agua fasst seine vielfältigen Wasserprojekte unter der sinnigen Abkürzung WASH zusammen, die für „Wasser, Sanitär, Hygiene“ steht (geht auch auf Englisch: Water, Sanitation, Hygiene). Viva con Agua hat plausibel errechnet, dass seit 2006 bereits über drei Millionen Menschen von den WASH-Projekten profitiert haben, die die Hamburger und ihre Partner auf der ganzen Welt umsetzen konnten.

Becherjäger auf Festivals

Der Einsatz für Wasser braucht vor allem Herzblut: Der Viva-con-Agua-Verein bildet deshalb inzwischen den zentralen Knoten eines internationalen Netzwerks aus Aktivisten, von denen die meisten ehrenamtlich tätig sind. Sie unterstützen die Organisation beispielsweise, indem sie auf Festivals dafür werben, das Becherpfand für den guten Zweck zu spenden. 2018 war Viva con Agua so mit hunderten freiwilligen „Becherjägern“ auf rund 200 Festivals, 600 Konzerten sowie bei zahlreichen Fußballspielen vertreten. Insgesamt wurden auf diese Weise laut Jahresbericht über 560.000 Euro eingesammelt.

Im Video ist noch einmal mit einer Animationen gut zu sehen, wie das Prinzip funktioniert:

Zum vielfältigen Kosmos von Viva con Agua gehört aber nicht nur der Verein mit seiner Freiwilligenarbeit, sondern auch eine gleichnamige Stiftung (seit 2010) sowie gleich drei Social Businesses, also Unternehmen, die am Gemeinwohl orientiert sind. Es sind: die Viva con Agua Wasser GmbH (seit 2010), die Goldeimer gGmbH (seit 2014) sowie die Viva con Agua Arts gGmbH (seit 2016). Die drei eigenständigen Firmen arbeiten auf unterschiedliche Weise daran, möglichst viele Menschen auf den Verein und seine Ziele aufmerksam zu machen und natürlich möglichst viele Spenden für die WASH-Projekte von Viva con Agua einzusammeln.

Der Kosmos von Viva con Agua

Du kannst Viva con Agua deshalb inzwischen an ganz verschiedenen Orten begegnen.

Das Wasser-Team vertreibt – passenderweise – ein eigenes „soziales“ Mineralwasser, das der Verein als seinen „flüssigen Flyer“ bezeichnet. Die Gewinne, die mit dem Wasserverkauf erzielt werden, fließen größtenteils in WASH-Projekte. Das Viva-Wasser wird in Deutschland von den Husumer Mineralbrunnen als Lizenzpartner abgefüllt und verkauft. 2018 wurden über 30 Millionen Flaschen des eigenen Wassers verkauft, die einen Brutto-Überschuss von über einer Million Euro einbrachten.

Die Arts-Sektion ist zumindest in und um Hamburg für das hippe Kunst- und Musik-Festival Millerntor Gallery bekannt, das Viva von Agua jedes Jahr in St. Pauli veranstaltet. Es zog 2018 rund 18.000 Besucher*innen an, die die frisch gestalteten Fassaden des Millerntor-Stadions bestaunten. Und natürlich in die Tasche griffen, um Originalkunst oder limitierte Siebdrucke zu erwerben, die von den beteiligten Künstler*innen für das Festival zur Verfügung gestellt worden waren.

Auf diese Weise konnte die Kunst-Sektion von Viva con Agua 2018 rund 100.000 Euro an Spenden zu den WASH-Projekten beitragen. Im Juli 2019 kamen bei einer vielbeachteten Kunst-Auktion zu Beginn des Festivals sogar gleich 270.000 Euro zusammen, von denen rund 70 Prozent als Spenden an Viva con Agua gingen.

Millerntor Gallery 2017 Bild: CC BY-SA 3.0 / WikimediaCommons / Stefan Groenveld
Besucher*innen stehen Schlage, um bei der Millerntor Gallery 2017 hippe Kunst für einen guten Zweck zu erleben (Bild: CC BY-SA 3.0 / Stefan Groenveld)

Die nächste Millerntor Gallery findet (vorbehaltlich möglicher Corona-Auswirkungen) übrigens vom 9. bis 12. Juli 2020 statt. Sie steht diesmal unter dem Motto „All for Water“ – es wird bereits die 10. Ausgabe des Festivals und damit ein besonderes Jubiläum sein. Das Programm wird rechtzeitig auf der Website des Festivals bekanntgegeben, noch können sich Musiker*innen und Künstler*innen um die Teilnahme bewerben.

Einen guten Eindruck davon, was euch erwartet, vermittelt dieses Video von der (vor)letzten Millerntor Gallery 2018:

Neben den Social Businesses für Mineralwasser und Kunst gehört auch Goldeimer seit einigen Jahren zum Viva-con-Agua-Kosmos. Die Marke ist Festivalfans seit Langem wegen ihrer nachhaltigen Kompostklos bekannt. Außerdem vertreibt Goldeimer seit einiger Zeit erfolgreich ein „soziales“ Toilettenpapier, das zu 100 % aus zertifiziertem Altpapier besteht.

Goldeimer machte 2017 auch überregional von sich reden, als sie hetzerisches Wahlkampfmaterial einsammelten, um daraus Toilettenpapier zu produzieren – die Sonderedition „Scheißpapier„, die daraus entstand, war auch medial ein Erfolg.

Die Erfolgsgeschichte von Viva con Agua

So wie auch Viva con Agua selbst eine Erfolgsgeschichte ist: Jahr um Jahr können größere Spendensummen eingesammelt und mehr Menschen mit sauberem Wasser und sanitären Anlagen versorgt werden. Die Projekte aus dem Viva-con-Agua-Kosmos wurden deshalb zu Recht immer wieder ausgezeichnet, unter anderem erhielt der ehemalige St.-Pauli-Kicker Benjamin Adrion 2009 das Bundesverdienstkreuz. Benjamin hatte 2005 eigentlich erst den Anstoß zu Viva con Agua gegeben, nachdem er auf Kuba die problematische Trinkwasserversorgung vor Ort erlebt hatte.

Mittelverwendung 2019. Quelle: Viva con Agua
Mittelverwendung von Viva con Agua 2019: Über 80 % flossen direkt in Projekte.

Auch was das Verhältnis von (Verwaltungs-)Kosten und Spenden betrifft, steht Viva con Agua gut da: 2019 wurden 81,4 % der eingenommenen Mittel direkt in die Projektarbeit geleitet (siehe Grafik). Über zwei Drittel (67,8 %) der Spendengelder flossen sogar direkt in WASH-Projekte und dazugehörige Maßnahmen in den Ländern, in denen der Verein aktiv ist. 18,6 % der Mittel wurden für Öffentlichkeitsarbeit, Personal und Mieten und damit für die notwendige Verwaltung ausgegeben.

Relativ niedrige Verwaltungskosten

Klingt nach viel? Nein, für eine (noch verhältnismäßig kleine) Non-Profit-Organisation ist das ein guter Satz. Vor allem, wenn man Viva con Agua mit etablierten Hilfsorganisationen vergleicht, die aufgrund ihrer Größe eigentlich bessere Möglichkeiten haben müssten, effizient zu arbeiten. Doch die SOS-Kinderdörfern beispielsweise nahmen 2018 zwar über 125 Millionen Euro an Spenden ein, schafften es aber nur, 70 bis 80 % dieser Mittel direkt in Hilfsprojekte zu investieren, weil der Anteil an Werbe- und Verwaltungskosten zu hoch war (Quelle). Viva con Agua steht da (mit 81,4 %) im Vergleich gut da.

Lea-May-fuer-Viva-con-AguaLea May für Viva con Agua
Junge Frauen in Äthiopien freuen sich über sauberes Wasser (Bild: Lea May für Viva con Agua)

Viel Erfolg macht natürlich auch viel Arbeit. Das Netzwerk rund um Viva con Agua beschäftigt deshalb inzwischen rund 60 festangestellte Mitarbeiter*innen im deutschsprachigen Raum, in Uganda und Südafrika. Glücklicherweise können sich die Hauptamtlichen zusätzlich auf ein großes Freiwilligennetzwerk stützen, das in mehreren Ländern aktiv ist. Vielleicht auch in deiner Stadt?

Viva con Agua: Was du tun kannst

Gerne darfst du auch selbst aktiv werden: am einfachsten durch eine Einzelspende, durch eine Fördermitgliedschaft oder durch die ehrenamtliche Mitarbeit an einer der vielen Viva-Aktionen: Es gibt die Möglichkeit, bei Festivals und Konzerten Pfand zu sammeln, einen Spendenlauf zu veranstalten oder eine eigene Aktion auf die Beine zu stellen.

Und damit du zum Abschluss in die richtige Stimmung kommst, hier noch das Musikvideo zum Song „Aand nen (We are one)“, den Clueso (gemeinsam mit Samuel Yirga, Norman Sinn und Tim Neuhaus) 2016 in Äthiopien komponierte und aufnahm. Inspiriert – natürlich – von Viva con Agua.

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