weltverbesserer Leben Wo fängt eigentlich Rassismus an?

Wo fängt eigentlich Rassismus an?

Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Koshu Kunii

In den sozialen Medien, der Presse und jeder Fernsehtalkshow wird gerade über Rassismus debattiert. Aber was genau ist eigentlich Rassismus, wo versteckt er sich, woran können wir ihn sofort erkennen und was kann jeder dagegen tun?

Wie das Bundesamt für Verfassungsschutz schreibt, liegen die Fallzahlen für rassistisch motivierte Gewalttaten im Jahr 2018 bei 19.409 Fällen. Damit sind die Zahlen laut Bericht auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr (2017: 19.467). Doch was ist Rassismus genau und worum geht es?

Laut der Amadeu Antonio Stiftung ist Rassismus „eine Ideologie, die Menschen aufgrund ihres Äußeren, ihres Namens, ihrer (vermeintlichen) Kultur, Herkunft oder Religion abwertet.“

Für den Begriff Rassismus gibt es jedoch nicht nur eine klare Definition, sondern gleich mehrere. Nach dem Mediendienst Integration definiert sich Rassismus so: „Rassismus liegt vor, wenn Menschen aufgrund tatsächlicher oder vermeintlicher Merkmale (z.B. Hautfarbe, Herkunft, Religion) als homogene Gruppen konstruiert, negativ bewertet und ausgegrenzt werden.“ Dieser lässt sich laut Mediendienst Integration in zwei unterschiedlichen Formen definieren.

Der „klassische“ Rassismus bewertet aufgrund der zuvor definierten Merkmale einen Unterschied zwischen den Menschen. Der „Kulturrassismus“ hingegen macht die Unterschiede vornehmlich an kulturellen Merkmalen wie Religion oder Zugehörigkeiten fest. Lebensweisen, die sich von der eigenen oder von bekannten Traditionen unterscheiden, werden als nicht zugehörig bewertet und abgelehnt.

Die Idee stammt ursprünglich aus der Naturwissenschaft, wie die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt. Ziel hierbei war im 19. Jahrhundert, das in Europa vorherrschende Klischee einer überlegenen weißen Rasse wissenschaftlich zu untermauern. Der Ursprung des Rassismus ist demnach auch auf die Kolonialisierung von Afrika und Südamerika zurückzuführen. Dies „…verfestigte bei den europäischen Mächten das Gefühl einer moralischen und zivilisatorischen Überlegenheit…“.

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Worum geht es dabei?

Der Brockhaus sieht Ängste, Unsicherheit und unterschiedliche Interessen als eine der Ursachen für die starke Verbreitung von Rassismus. Durch einige wenige Merkmale wie der Hautfarbe wird ein Unterschied gegenüber der eigenen Person festgestellt und abgelehnt. Doch Rassismus ist nicht „nur“ eine Sache der Hautfarbe. Auch Menschen anderer Religionen sind rassistischen Angriffen ausgesetzt.

Rassistische Gewalt besteht nicht nur aus körperlichen Übergriffen, sondern auch aus verletzenden Kommentaren, Pöbeleien und vielem mehr. Die Amadeu Antonio Stiftung führt seit 1990 mindestens 194 Todesfälle rechter Gewalt in Deutschland an. Eine Zahl, die deutlich macht: Rassismus ist aktueller denn je. Spätestens seit den Morden durch den NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) oder dem Mord an dem hessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Mai 2019, wird uns einmal mehr vor Augen gehalten, dass Rassismus keineswegs nur ein Thema bestimmten Kreisen ist. Vielmehr wird deutlich, dass Rassismus die Gemeinschaft selbst angeht und damit jedes einzelne Mitglied der offenen Gesellschaft in Deutschland betrifft.

Alle, die aufgrund ihrer Andersartigkeit mit Rassismus in Berührung gekommen sind, stellen im Laufe der Zeit fest, dass es sich um ein allgemeines Problem handelt. Anfeindungen sprachlicher Natur, Pöbeleien und physische Angriffe betreffen nicht nur die Opfer, sondern auch diejenigen, die wegschauen, nichts tun oder zulassen, dass sie aufgrund ihrer „Nicht-Betroffenheit“ gegenüber den Opfern von Rassismus Vorteile haben und diese dann auch wahrnehmen.

Doch hier steckt auch die Chance. Jeder Einzelne hat die Möglichkeit, sich als Teil einer offenen Gesellschaft bewusst gegen Rassismus und Diskriminierung zu stellen. Man kann viel mehr tun als man denkt. Bereits das Bewusstwerden über die Tatsache wie man seine Mitmenschen behandelt und ein achtsamer Umgang zum Beispiel mit der Sprache kann schon dabei helfen, sich gegen Rassismus und für ein offenes Miteinander stark zu machen.

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Sind wir rassistisch, ohne es zu merken?

Rassismus hat viele Gesichter und äußert sich in ganz unterschiedlichen Formen. In den Grundrechten der deutschen Verfassung ist zum Thema Folgendes definiert: Gemäß Artikel 3, Absatz 1. heißt es: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“

Weiter heißt es in Absatz 3: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Die Formulierung und Verwendung des Begriffes „Rasse“ im Grundgesetz steht aktuell auf dem Prüfstand. Die Debatte lautet, der Begriff sei deutlich veraltet und müsse gestrichen werden, oder zumindest durch einen neutralen Begriff ersetzt werden, so die Forderung.

Auf den ersten Blick scheint klar: Jeder hat die gleichen Rechte. Doch schon im Kindergarten, in der Schule, an der Uni, im Job, privat, in der Öffentlichkeit und den Medien kommt Diskriminierung immer wieder vor.

Ob im Sport, wo Fußballspieler aufgrund ihrer ethnischen Herkunft beleidigt werden, bei der Wohnungs- oder Arbeitsplatzsuche wo Bewerber aufgrund ihres Namens, ihrer Hautfarbe oder ihrer Herkunft eine Absage erhalten, oder im Alltag, wenn rassistische Witze auf Kosten von Kollegen gemacht werden – Diskriminierungen sind weiter verbreitet, als man denkt.

Vor allem in den alltäglichen Sprachgebrauch können sich diskriminierende Ausdrücke und Wörter schneller einschleichen als vermutet. Häufig werden Ausdrücke und Meinungen ohne Absicht ausgesprochen, meist sogar ohne, dass man es merkt oder beabsichtigt Sätze wie „…das macht mir einen Heidenspaß…“, „… Ich bin doch nicht dein N-Wort“ oder „Schwarzfahren wird bestraft“ sind rassistischer Natur, weil sie Andersartigkeit negativ bewerten wie aktion-zivilcourage.de beschreibt.

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Das können wir gegen Rassismus tun

Die gute Nachricht ist, wir alle können etwas gegen Rassismus tun. Im ersten Schritt bedeutet das, erst einmal wahrzunehmen, dass man sich überhaupt rassistisch verhält. Auch, wenn es unbeabsichtigt passiert. Darauf aufbauend, kann man sein Tun und Handeln verändern.

Soziale Netzwerke setzen sich ebenfalls zunehmend mit dem Thema Rassismus auseinander. Wie sueddeutsche.de berichtet, will auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg, nach anhaltenden Protesten seiner Mitarbeiter, den Umgang auf Facebook mit problematischem Post prüfen. Zuckerberg steht für seinen Umgang mit möglicherweise falschen Behauptungen von Donald Trump in der Kritik. Statt wie der Messenger-Dienst Twitter die Nachrichten des amerikanischen Präsidenten mit dem Hinweis auf „möglicherweise problematische Inhalte“ zu kennzeichnen, hatte Zuckerberg die Posts in ihrem Ursprung auf Facebook bestehen lassen

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Fünf Tipps was ihr gegen Rassismus tun könnt

Man merkt, was Rassismus und Diskriminierung angeht, können überall versteckte Stolpersteine lauern. Oft gerät man in die verbalen Fallen hinein, ohne es zu wollen. Wir zeigen Dinge, die ihr stattdessen aktiv gegen Rassismus tun könnt:

Informiere Dich: Um Rassismus zu erkennen, hilft es zu wissen, um was es eigentlich geht.

Engagiere Dich! Engagiere dich bei Organisationen, die sich gegen Rassismus und für Menschenrechte einsetzen oder nimm an einer Demonstration gegen Rassismus in deiner Stadt teil.

Lies Bücher und schau Filme:

Misch dich ein!

Statt zuzuschauen, wie deine Schwarze Freundin auf einer Hochzeitsfeier gefragt wird, woher sie denn kommt  – mach dein Gegenüber auf sein rassistisches Verhalten aufmerksam.

Bilde dich weiter: Schau dir Anti-Rassismus-Projekte an oder besuche Kurse zur Prävention